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Historisches

Vorläufer des Kachelofens waren wahrscheinlich eingebaute Backöfen oder überwölbte Herdfeuerungen in kalten Gegenden. Die ältesten keramischen Objekte aus dem 8./9. Jahrhundert, die als Ofenkacheln bezeichnet werden, sind im Elsass, in Baden-Württemberg und in der Nordwestschweiz gefunden worden. Vermutlich stammen sie von Öfen, die als so genannte Vorderlader in einer Zimmerecke standen.

Prinzip des Hinterladers

Erst etwa im 11. Jahrhundert entwickelte sich daraus der Hinterlader-Kachelofen, der von der Rückseite, meist von der Küche aus mit ganz geöffneter Heiztüre befeuert wurde und dort auch die Rauchgase in einen Kamin/Esse entließ. Der untere Teil dieser Öfen war an die Zimmerwand an- und durchgebaut, das Brennmaterial wurde durch die Wand in den Brennraum gelegt (Hinterlader-Prinzip). Im höheren Teil bildete sich Stauhitze, die an die Kachelwände abgegeben wurde. War das Feuer heruntergebrannt, wurde die Heiztüre geschlossen, und die Kachelwände gaben je nach Ausmauerungsstärke die gespeicherte Wärme an die Räume ab. Die Rauchgase traten durch die Ofentür wieder aus und landeten im Idealfall in der Esse, die sich meistens in der Küche über dem offenen Herdfeuer befand. Diese Kachelöfen nutzten die Energie zwar wesentlich besser als ein offener Kamin, waren aber immer noch sehr uneffektiv.

Durch das Hinterlader-Prinzip blieb der Raum, in dem der Kachelofen stand, rauchfrei. Die Stube, der zentrale Lebens- und Arbeitsraum des Hochmittelalters war entstanden. Ab diesem Zeitpunkt trat der Kachelofen in ganz Mitteleuropa einen unaufhaltsamen Siegeszug an.

Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Kachelofen

Der Kachelofen als Designerstück

Mit der Entwicklung der reliefverzierten Ofenkacheln übernahm der Kachelofen spätestens ab dem 14. Jahrhundert auch repräsentative Funktionen. Anfänglich waren Öfen mit Kacheln wahrscheinlich den Klöstern, dem Adel und den Patriziern vorbehalten. Ärmere Bevölkerungsschichten hatten in der Regel einfachere oder mit weniger Kacheln verzierte Öfen. Der älteste bislang sicher datierte Ofen eines solchen repräsentativen Typs wurde in Winterthur in der Schweiz ausgegraben und stammt aus dem Jahr 1208. Wie alle frühen Kachelöfen bestand er aus Ofenlehm und Becherkacheln.

Kacheln als Krone, Teller, Topf oder Röhre

Später entstand eine Vielzahl regional unterschiedlicher Kachelarten und -dekore, darunter welche mit so klangvollen Namen wie Bekrönungskacheln, Kranzkacheln, Blattnapfkacheln oder Pilzkacheln. Bis ins 19./20. Jahrhundert wurden die Kacheln vom Hafner/Töpfer hergestellt, der zugleich in der Regel auch der Ofensetzer war. Nur in sehr seltenen Ausnahmefällen konnten sich Betriebe ausschließlich auf die Produktion oder auf das Setzen der Kachelöfen beschränken.

Verbrennungsluft wird durch Rauchgaszüge geleitet

Im 18. Jahrhundert wurde die Heiztechnik bei Kachelöfen deutlich verbessert, indem der Ofen direkt an den Schornstein angeschlossen wurde. Dies ermöglichte den Einbau von Rauchgaszügen in die Kachelöfen. Anfänglich bereitete der Unterdruck im Schornstein und in der Feuerstätte noch Probleme, die aber allmählich gelöst wurden. Rost, Aschekasten und eine gezielte Verbrennungsluftführung waren nun üblich.

Raumheizvermögen bestimmt die Größe der Anlage

Kacheln wurden allmählich als Massenware in Manufakturen hergestellt; die Baugröße des Ofens passte man dem jeweils benötigten Wärmebedarf an und standardisierte sie. So entstanden bereits ab 1925 die DIN-Normen für den Kachelofen.

Gusseiserne Heizeinsätze entstehen

Das Aufkommen der Kohle als Brennstoff im 19. Jahrhundert führte zu Änderungen in den Kachelofenkonstruktionen. Die Feuertür konnte kleiner sein. Das heiße Glutbett der Kohle hielt länger vor, weshalb ein direkter Wärmekontakt mit einer großen Masse wärmespeichernder Keramik nicht mehr zwingend erforderlich war. Über verschiedene Entwicklungsstufen kam man zu kompakten, mit Schamotte ausgekleideten gusseisernen Heizeinsätzen, die alle Feuerungsbauteile (Rost, Aschekasten, Ofentüren) enthielten und revisionsfähig waren. Man konnte diese Feuerungen reparieren, ohne den ganzen Kachelofen abbauen zu müssen.